Weiterbildung
Die Finanzakteure von morgen ausbilden: Interview mit Vincent Pignon, Dozent für das ISFB-Zertifikat „Future of Finance”
2. Oktober 2025
Mit der bevorstehenden Einführung einer neuen Ausgabe des ISFB-Zertifikats „Future of Finance” umgibt sich das ISFB mit Experten, um Fachleute auf die großen technologischen, personellen und regulatorischen Herausforderungen des Bankensektors vorzubereiten. Treffen mit Vincent Pignon, Dozent am ISFB, der seine Vision und seinen pädagogischen Ansatz vorstellt.
Vincent Pignon, Sie sind erneut als Dozent am ISFB tätig, diesmal im Rahmen des ISFB-Zertifikats «Future of Finance». Was sind Ihre Erwartungen und welchen Ansatz werden Sie als Dozent verfolgen?
Ich hatte bereits das Vergnügen, am ISFB zu unterrichten, und freue mich, erneut zum Erfolg dieses Programms beitragen zu können und dabei in direktem Kontakt mit Praktikern zu stehen. Es ist eine bereichernde Erfahrung, denn Lehren ist nicht nur eine Weitergabe von Wissen, sondern auch ein lebendiger Austausch mit Fachleuten, die täglich mit den Realitäten der Finanzwelt konfrontiert sind.
Mein Ziel ist es, konkrete Erfahrungen weiterzugeben, aber auch Diskussionen und Fragen anzuregen. Daher bevorzuge ich einen interaktiven Ansatz, der auf Fallstudien, dem Austausch bewährter Praktiken und Rollenspielen basiert. Es geht nicht darum, feststehendes Wissen zu vermitteln, sondern vielmehr darum, Interpretationshilfen und Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich in einem sich ständig verändernden Umfeld zurechtzufinden.
Können Sie uns etwas über Ihren akademischen und beruflichen Werdegang erzählen?
Was meine akademische Laufbahn angeht, habe ich einen Master an einer Business School absolviert, bevor ich einen Master in Naturwissenschaften anschloss. Anschließend promovierte ich unter der Leitung von Professor Philippe Dessertine zum Thema Regulierung natürlicher Monopole. Dieser Werdegang ermöglichte es mir, sowohl einen globalen Überblick über wirtschaftliche Dynamiken als auch ein tiefgreifendes Verständnis der regulatorischen Herausforderungen in strategischen Sektoren, darunter auch der Finanzbranche, zu erwerben.
Beruflich hatte ich das Glück, in verschiedenen Bereichen tätig zu sein. Als langjähriger Fintech-Unternehmer konnte ich innovative Projekte an der Schnittstelle zwischen Technologie und Finanzen entwickeln. Außerdem habe ich als Strategieberater im Bankwesen und als Berater für digitale Technologien für den Kanton Genf gearbeitet, wodurch ich einen einzigartigen Einblick in die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Akteuren, Regulierung und Innovation gewonnen habe.
Gleichzeitig hat die Lehre in meiner Laufbahn immer einen wichtigen Platz eingenommen. Ich war Mitglied der Fakultät der HEG Genf und hatte die Gelegenheit, an mehreren renommierten Institutionen, darunter dem ISFB, zu unterrichten. Diese vielfältigen Erfahrungen haben mich in meiner Überzeugung bestärkt, dass die Finanzwelt von morgen auf Wissensaustausch, Agilität und kollaborativer Innovation aufgebaut sein wird.
Was sind Ihrer Meinung nach heute die größten Herausforderungen für den Bankensektor angesichts der neuen Technologien?
Die Herausforderungen sind vielfältig und oft miteinander verknüpft.
Der erste Grund ist technologischer Natur: Die schnelle Integration von Lösungen wie künstlicher Intelligenz mit Prozessautomatisierung, Blockchain mit digitalen Vermögenswerten oder Quantencomputern erfordert erhebliche Investitionen und eine klare Vision. Viele Unternehmen müssen veraltete und teilweise überholte IT-Systeme modernisieren, was ein großes Hindernis darstellt.
Die zweite Herausforderung betrifft die Cybersicherheit. Je mehr sich die Bank digitalisiert, desto mehr ist sie ausgeklügelten Bedrohungen ausgesetzt. Der Schutz sensibler Kundendaten bei gleichzeitiger Gewährleistung eines reibungslosen Kundenerlebnisses bleibt ein schwieriger Balanceakt.
Die dritte Herausforderung ist kultureller und menschlicher Natur. Die digitale Transformation ist nicht nur eine Frage der Technologie, sondern auch der Mentalität. Es geht darum, Kompetenzen weiterzuentwickeln, Mitarbeiter zu schulen und den Wandel zu begleiten.
Eine letzte Herausforderung betrifft schließlich die Regulierung: Wie kann man innovativ sein und gleichzeitig einen immer strengeren Rechtsrahmen einhalten, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und Compliance?
Das ISFB-Zertifikat „Future of Finance” beginnt im kommenden November. Inwiefern bietet dieses Programm konkrete Lösungen, und was sind Ihrer Meinung nach die Stärken und Besonderheiten, die seinen Reichtum und seine Qualität ausmachen?
Das ISFB-Zertifikat „Future of Finance” ist eine konkrete Antwort auf diese Herausforderungen. Seine Stärke liegt in seinem interdisziplinären Ansatz: Es beschränkt sich nicht darauf, neue Technologien zu erklären, sondern setzt sie in Beziehung zu den strategischen, regulatorischen und menschlichen Herausforderungen der Branche. Die Teilnehmer erwerben nicht nur Wissen, sondern auch operative Instrumente, die sie direkt in ihrem beruflichen Umfeld anwenden können.
Eine weitere Besonderheit ist die Nähe zur Praxis. Die Referenten, zu denen ich die Ehre habe zu gehören, sind nicht nur Lehrende, sondern auch aktive Praktiker. Diese direkte Verbindung zur Realität der Berufe garantiert die Relevanz der Inhalte. Das Programm fördert auch die Zusammenarbeit zwischen Teilnehmern mit unterschiedlichem Hintergrund, was die Kreativität und den Austausch bewährter Praktiken anregt.
Zusammenfassend denke ich, dass sich dieses Zertifikat durch sein ehrgeiziges Ziel auszeichnet: Fachleute nicht nur darauf vorzubereiten, mit den Entwicklungen im Finanzwesen Schritt zu halten, sondern sie zu treibenden Kräften zu machen. Es ist diese proaktive, zukunftsorientierte Vision, die den Wert des Programms ausmacht.
Vincent Pignon
CEO (WeCan)
„Es geht nicht nur darum, feststehendes Wissen zu vermitteln, sondern auch darum, Interpretationshilfen und Werkzeuge an die Hand zu geben, um sich in einem sich ständig verändernden Umfeld zurechtzufinden.“
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