Weiterbildung
Interview mit Julien Divernois: Daten verstehen, strukturieren und valorisieren mit dem ISFB-Zertifikat Data Management
13. November 2025
Daten sind zu einer wesentlichen Säule für die Leistungsfähigkeit und Compliance im Bankensektor geworden. Anlässlich der Einführung des ISFB-Zertifikats für Datenmanagement teilt Julien Divernois, Data Governance Manager bei Swissquote und neuer Dozent am ISFB, seine Vision: Daten, die verstanden, strukturiert und genutzt werden, um Geschäftsprozesse und Entscheidungsfindungen zu unterstützen.
Julien Divernois, Sie sind seit kurzem als Dozent im Rahmen des ISFB-Zertifikats Data Management an der ISFB tätig. Was sind Ihre Erwartungen und welchen Ansatz werden Sie verfolgen?
Meine Vision vom Beruf des Datenfachmanns ist es, als Vermittler zu fungieren, um Menschen die Möglichkeit zu geben, sich Daten anzueignen und zu nutzen. Ich leite bereits eine ähnliche Schulung intern bei Swissquote, wo ich in jeder Sitzung neue Realitäten und Herausforderungen entdecke. Daher war es für mich ganz natürlich, diesen Ansatz über meinen aktuellen Kontext hinaus auszuweiten und mich dem Team der Dozenten der ISFB anzuschließen. Die Begegnung mit Teilnehmern aus verschiedenen Einrichtungen ist eine großartige Gelegenheit, sich über unterschiedliche Kontexte im Bankwesen auszutauschen. Ich freue mich darauf, diese Vielfalt im Rahmen des ISFB-Zertifikats zu entdecken.
Ich bin überzeugt, dass Datenkompetenzen genauso wichtig werden wie einst der Umgang mit Computern. Auch wenn das Thema für manche komplex erscheinen mag, habe ich oft beobachtet, wie überrascht die Teilnehmer von ihren eigenen Fortschritten sind: Innerhalb kurzer Zeit erkennen sie, dass sie in ihren Tätigkeiten erheblich an Selbstständigkeit gewinnen können.
Mein Ansatz ist vor allem interaktiv. Ich ermutige die Teilnehmer, sich während des gesamten Kurses zu äußern, um den Inhalt an ihre Erwartungen anzupassen. Was mir an Daten gefällt, ist ihre einzigartige Position zwischen Wirtschaft und Technik, die die Geschäftsdynamik hervorhebt und so die Entscheidungsfindung unterstützt. Diese Interaktion möchte ich in der Schulung nachbilden.
Können Sie uns etwas über Ihren akademischen und beruflichen Werdegang erzählen?
Ich habe einen Bachelor-Abschluss in Wirtschaftsinformatik an der HE-Arc in Neuenburg erworben, bevor ich meine Karriere in Paris im Bereich Business Intelligence Consulting begann. Anschließend arbeitete ich fünf Jahre lang in der Versicherungsbranche, wo ich meine Fachkenntnisse in der Datenanalyse und -visualisierung, insbesondere mit Tableau, vertiefte.
Vor etwas mehr als vier Jahren kam ich als Data Analytics Engineer zu Swissquote. Parallel dazu absolvierte ich einen Master in Business Administration an der HES-SO, um meine Kompetenzen im Bereich Informationssystemmanagement zu vertiefen. Vor kurzem wurde ich zum Data Governance Manager befördert und habe nun die Aufgabe, ein Team für die Datenverwaltung aufzubauen und weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, den Geschäftsbereichen den Umgang mit Daten zu erleichtern, um ihre Autonomie zu stärken und eine echte Datenkultur innerhalb von Swissquote zu verbreiten.
Daten stehen heute im Mittelpunkt aller Entscheidungen im Bankwesen: Vor welchen Herausforderungen stehen die Mitarbeiter täglich, um diese Daten effizient zu nutzen?
Eine der größten Herausforderungen, denen Mitarbeiter heute gegenüberstehen, ist das Verständnis der Daten selbst: zu wissen, was sie darstellen, wie sie strukturiert sind und wie sie im Kontext richtig interpretiert werden können. Viele Nutzer stehen auch vor der Frage, wie sie die benötigten Informationen identifizieren können: zu wissen, ob sie existieren, wo sie sich befinden und wie sie darauf zugreifen können.
Hinzu kommen eher technische Aspekte: die Beherrschung der Tools, die Entwicklung analytischer Kompetenzen und die Fähigkeit, Rohdaten in verwertbare Erkenntnisse umzuwandeln. Das ist übrigens auch der Zweck dieser Schulung: den Teilnehmern das nötige Selbstvertrauen und die erforderlichen Kompetenzen für das Datenmanagement zu vermitteln.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass es keine gemeinsame Sprache für Daten gibt. Jede Abteilung kann ihre eigene Sichtweise auf denselben KPI haben, was die Zusammenarbeit und die Abstimmung der Entscheidungshilfetools erschwert.
Die Qualität der Daten ist ebenfalls ein wichtiger Faktor: Ohne zuverlässige und konsistente Daten verlieren Analysen schnell an Wert.
Eine weitere, eher allgemeine Herausforderung betrifft die Datenkultur selbst. Viele Unternehmen, darunter auch im Bankensektor, befinden sich noch im Übergang zu einem wirklich datengesteuerten Ansatz. Die Entwicklung dieser Kultur erfordert Zeit, Aufklärung und angemessene Unterstützung.
Das ISFB-Zertifikat für Datenmanagement wird in Kürze (Dezember 2025) eingeführt. Inwiefern bietet dieses Programm konkrete Lösungen, und worin liegen Ihrer Meinung nach die Stärken und Besonderheiten, die seinen Reichtum und seine Qualität ausmachen?
Das ISFB-Zertifikat für Datenmanagement vermittelt den Teilnehmern ein besseres Verständnis dafür, wie Daten in einer Bankumgebung strukturiert und genutzt werden. Sie erwerben damit eine solide Grundlage, um ihre eigenen Datenprobleme konkret anzugehen. Das Programm trägt auch zu einer besseren Zusammenarbeit mit Datenspezialisten bei, indem es eine gemeinsame Sprache und ein gemeinsames Verständnis der Schlüsselkonzepte vermittelt. Das Programm wird von Fachleuten aus dem Bankensektor geleitet und stützt sich auf reale Situationen, fernab von rein theoretischen Ansätzen. Es zeichnet sich durch seine Praxisorientierung aus: Die behandelten Konzepte können direkt im Alltag der Teilnehmer angewendet werden. Es handelt sich um eine kurze, aber sehr wertvolle Schulung, die ein sehr gutes Verhältnis zwischen investierter Zeit und erworbenen Kompetenzen bietet.
