Jean-Christophe Pernollet: „Ein Bankverwalter muss verstehen, hinterfragen und entscheiden“

8. Juli 2026

Jean-Christophe Pernollet, Dozent am ISFB im Zertifikatsstudiengang „Governance und Risikomanagement für Verwaltungsratsmitglieder“, verweist auf die Besonderheit des Verwaltungsrats einer Bank: Er muss Entscheidungen treffen, ohne an die Stelle der Geschäftsleitung zu treten, kontrollieren, ohne zu verwalten, und die Risiken ausreichend verstehen, um seine Verantwortung voll und ganz wahrnehmen zu können. Eine Anforderung, die eine klare Haltung erfordert: Neugier, kritisches Denken und kontinuierliche Weiterbildung.

Jean-Christophe Pernollet, Sie unterrichten im Rahmen des ISFB-Zertifikatsstudiengangs zum Thema Bank-Governance. Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Unternehmensführung einer Bank von der eines anderen Unternehmens?

Auch wenn das Bankwesen nicht ganz das Regulierungsniveau von Branchen wie der Pharmabranche erreicht, gehört es doch zu den am stärksten regulierten Wirtschaftszweigen überhaupt. Dies bedeutet, dass die Kernaufgaben der Geschäftsleitung – darunter insbesondere die Verabschiedung der Strategie und die angemessene Zuweisung von Ressourcen (Personal und Sonstiges), das Risikomanagement sowie die Einhaltung gesetzlicher und aufsichtsrechtlicher Anforderungen – umso grundlegender sind. Eine weitere Besonderheit in der Schweiz besteht darin, dass es einem Verwaltungsratsmitglied einer Bank nicht gestattet ist, eine operative Funktion innerhalb des Instituts auszuüben, was in anderen Rechtsordnungen nicht unbedingt der Fall ist.

Im Laufe Ihrer Karriere waren Sie in den Bereichen Bankaufsicht, Risikomanagement, Compliance, Geschäftsführung und Verwaltungsrat tätig. Was haben Sie durch diesen Werdegang über die tatsächliche Verantwortung eines Bankverwaltungsratsmitglieds gelernt?

Die tatsächliche Rolle hat sich erheblich gewandelt: Einerseits sind die Verwaltungsräte insgesamt professioneller geworden und müssen höheren Anforderungen gerecht werden, andererseits besteht seitens der Aufsichtsbehörde der Wunsch, dass die Verwaltungsräte bei den Banken mehr strukturelle Aspekte im Vorfeld genehmigen.

Ein Verwaltungsratsmitglied kann nicht an die Stelle des CRO, des Compliance-Beauftragten oder des Wirtschaftsprüfers treten. Aber es muss die Sachverhalte verstehen, hinterfragen und Entscheidungen treffen. Welches Maß an Fachwissen sollte es anstreben?

Der entscheidende Punkt sind zweifellos die Kompetenzen des Verwaltungsrats als Ganzes. Zwar müssen Fachleute vertreten sein, doch muss jedes Verwaltungsratsmitglied die zentralen Herausforderungen verstehen, um insbesondere einen wesentlichen Beitrag zur Verabschiedung der Strategie und zum Risikomanagement leisten zu können. Je nach bisherigem Werdegang muss sich jedes Verwaltungsratsmitglied gezielt weiterbilden. Die kontinuierliche Weiterbildung ist von entscheidender Bedeutung.

Wie kann ein Verwaltungsrat überprüfen, ob die Unternehmensführung tatsächlich funktioniert – jenseits von Berichten, Protokollen und Kennzahlen?

Indem man kritisches Denken an den Tag legt und die Unternehmensleitung sowie die Kontrollinstanzen hinterfragt – auch in Bereichen, die erfolgreich sind oder auf den ersten Blick wenig risikobehaftet erscheinen. Ich glaube fest an die Prinzipien „Constructive Dissent“ und „Trust but Verify“.

Was sollen die Teilnehmer Ihrer Rede Ihrer Meinung nach mitnehmen: eine Methode, eine Haltung oder eine bestimmte Anforderung im Hinblick auf die Verantwortung, eine Bank zu leiten?

Eine Einstellung. Ein Verwaltungsratsmitglied muss neugierig sein, sich weiterbilden und seine Kompetenzen in den Dienst der Einrichtung stellen, indem es seine Rolle voll und ganz ausfüllt.

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Jean-Christophe Pernollet

Vizepräsident des Verwaltungsrats der Swissquote Group Holding AG und der Swissquote Bank AG, Vorsitzender des Prüfungs- und Risikoausschusses

Dozent ISFB

 

Ein Verwaltungsratsmitglied muss neugierig sein, sich weiterbilden und seine Kompetenzen in den Dienst der Einrichtung stellen, indem es seine Rolle voll und ganz ausfüllt.

Jean-Christophe Pernollet

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