Ausstrahlung des Netzwerks
Interview mit Edouard Cuendet, Direktor der Stiftung Genève Place Financière
4. Januar 2024
Edouard Cuendet, Sie sind seit 2014 Direktor der Fondation Genève Place Financière. Können Sie uns erklären, welche Rolle die Stiftung spielt?
Die Fondation Genève Place Financière (FGPF) wurde 1991 von den 80 Mitgliedern der Genfer Börse gegründet. Als Dachverband des Finanzplatzes hat sie die Hauptaufgabe, dessen Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Sie steht somit im Dienste aller Akteure des Finanzplatzes. Derzeit beschäftigt der Genfer Finanzsektor rund 38'000 Mitarbeitende und trägt 13,1 % zum BIP des Kantons Genf bei. Er stützt sich auf drei Säulen: private und institutionelle Vermögensverwaltung, Geschäfts- und Privatkundenbank sowie Finanzierung des Rohstoffhandels.
Um dieses einzigartige Ökosystem zu erhalten und vor allem weiterzuentwickeln, hat der Rat der FGPF drei Schwerpunkte definiert: ein entschlossenes Engagement für attraktive Rahmenbedingungen, eine dynamische Förderung und Kommunikation sowie die Weiterentwicklung der Ausbildung durch die Unterstützung von Lehrlingsausbildung, akademischer Ausbildung und Weiterbildung. Einer der wichtigsten Trümpfe des Finanzplatzes Genf ist zweifellos sein Know-how. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, Talente anzuziehen, auszubilden und zu halten, die in der Lage sind, die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Die FGPF leistet ihren Beitrag, indem sie die Bedürfnisse der Finanzakteure identifiziert, um gemeinsam mit dem Departement für öffentliche Bildung (DIP) und den Bildungseinrichtungen, darunter das ISFB, geeignete Lösungen zu entwickeln.
Die FGPF ist über Sie auch im Rat der ISFB vertreten. Welche Verbindungen bestehen zwischen den beiden Institutionen?
Seit rund dreissig Jahren spielt die ISFB eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung des Wissens und der Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Genf. Daher verfolgen die ISFB und die FGPF dasselbe Ziel, indem sie das hohe Niveau der Mitarbeitenden des Finanzplatzes fördern. Diese zeichnen sich durch ihre hohe Beschäftigungsfähigkeit aus, d. h. ihre Fähigkeit, eine neue Stelle zu finden, sich selbstständig auf dem Arbeitsmarkt zu bewegen und in ihrer Karriere voranzukommen. Diese Beschäftigungsfähigkeit hängt jedoch in hohem Maße von der Entwicklung der Kompetenzen während des gesamten Berufslebens ab. In diesem Zusammenhang ist das ISFB neben der HEG-Genève, der Universität Genf und dem Swiss Finance Institute ein unverzichtbarer Akteur in der Westschweiz. Wir haben in Genf das Glück, auf diese Einrichtungen aus dem öffentlichen und privaten Sektor zählen zu können, die ein gemeinsames Ziel verfolgen: Know-how muss durch ständige Aktualisierung gepflegt werden.
Was sind Ihrer Meinung nach die Herausforderungen bei der Kompetenzentwicklung im Bankwesen in der Westschweiz?
Die Konjunkturumfrage 2023-2024 der FGPF, die unter Genfer Banken, Vermögensverwaltern und anderen Finanzintermediären durchgeführt wurde, verdeutlicht deren gute Verfassung und ihren Optimismus für das kommende Jahr. Vier Tätigkeitsbereiche werden als vorrangig angesehen: Fintech, nachhaltige Finanzen, Vermögensverwaltung und Compliance. In diesem Zusammenhang sind die Banken der Ansicht, dass der Zugang zu qualifizierten Fachkräften eine der größten Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt darstellt. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, ist die Ausbildung ein wesentlicher Faktor.
Im Bereich Fintech ermöglicht die von eforesight und der HEG-Genève mit Unterstützung der ISFB durchgeführte Studie ein digitales Benchmarking der Schweizer Akteure im Privatbankwesen. Die Schlussfolgerungen der Studie zeigen, dass in diesem Bereich noch viel Verbesserungspotenzial besteht. Die FGPF stellt fest, dass die Digitalisierung bestimmter Finanzaktivitäten zu einem Wandel der Berufe und einer erhöhten Nachfrage nach Weiterbildung führt. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, positionieren sich die HEG-Genf und das ISFB als unverzichtbare Ansprechpartner. Letzteres hat übrigens ein Zertifikat mit dem Titel «Future of Finance» für Bankmitarbeitende entwickelt und bietet im Rahmen der regelmässigen Überarbeitungen der SAQ CWMA-Zertifizierung modulare Kurse zum Thema Fintech an, von denen Mitarbeitende im Vermögensmanagement profitieren.
Die HEG-Genève und das ISFB sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen und haben im September 2023 eine strategische Partnerschaft geschlossen, um ab Frühjahr 2024 ein in der Westschweiz einzigartiges Weiterbildungsprogramm im Bereich Bankmanagement anzubieten, das von der FGPF unterstützt wird. Diese Initiative zeigt einmal mehr die Relevanz öffentlich-privater Partnerschaften.
Das ISFB ist dank des Zertifikats für nachhaltige Finanzen auch im Bereich der Nachhaltigkeit präsent. Diese Positionierung ist notwendig, um einen grundlegenden Trend zu begleiten, der darauf abzielt, Genf zu einem globalen Zentrum für Nachhaltigkeit zu machen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bankensektors müssen insbesondere in der Lage sein, ESG-Kriterien zu bewerten und zu identifizieren und diese in eine geeignete Anlagestrategie umzusetzen. Dies ist eines der Ziele des oben genannten Zertifikats.
Die Weiterbildung ist auch eine Antwort auf die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Übernahme der Credit Suisse durch die UBS hinsichtlich der Entwicklung der Mitarbeiterzahlen. Die Bedeutung von Kompetenzbilanzen und der Pflege eines beruflichen Netzwerks steht ausser Frage. Auch hier kommt der ISFB eine wichtige Rolle zu, umFachleute aus dem Bankwesen bei beruflichen Veränderungen zu begleiten.
Edouard Cuendet
Direktor
Stiftung Genf Finanzplatz
„Das ISFB ist ideal, um Fachleute aus dem Bankwesen bei ihrer beruflichen Neuorientierung zu begleiten.“
Strategischer Tätigkeitsbereich 4
Ausstrahlung des Netzwerks
Als Berufsverband agiert das ISFB in einem Ökosystem, das sich aus zahlreichen Akteuren zusammensetzt: auf der einen Seite die Mitgliedsinstitutionen, ihre Mitarbeitenden und die an Bank- und Finanzwesen allgemein interessierte Öffentlichkeit. Auf der anderen Seite stehen öffentliche und private Akteure, Ausbildungszentren und Universitäten, die im Bereich der Aus- und Weiterbildung sowie in der Karriereentwicklung und -beratung tätig sind. Allen gemeinsam ist, dass sie im Bereich des Bank- und Finanzkompetenzmanagements aktiv sind.

