Karriereentwicklung
Was weiß man über die Weiterbildung?
3. Mai 2024
Im Bereich der Kompetenzentwicklung besteht eine der größten Herausforderungen mittlerweile darin, zu lernen, wie man Wissensströme verwaltet, anstatt einen Wissensbestand zu verwalten, der irgendwann veraltet sein wird. Das Lernen muss kontinuierlich erfolgen. Es kommt vor, dass neu erworbenes Wissen bereits vor seiner ersten Anwendung veraltet ist, und manchmal bleibt keine andere Wahl, als Kompetenzen einzusetzen, bevor sie vollständig ausgefeilt sind. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Metakompetenz, verstanden als die Fähigkeit, den Entwicklungsstand der eigenen Kompetenzen und die Notwendigkeit ihrer Weiterentwicklung einzuschätzen, sowie die Fähigkeit, das Lernen zu lernen.
In diesem Zusammenhang ist die Weiterbildung eine tragende Säule für die Verknüpfung von Kompetenz, Beschäftigungsfähigkeit, Karriere und Talentmanagement. Als unverzichtbarer Bestandteil sowohl für den Einzelnen als auch für das Unternehmen gewährleistet sie gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und die individuelle Entwicklung. Aus Sicht des Unternehmens spielt sie insbesondere eine positive Rolle, indem sie dessen Attraktivität als Arbeitgeber stärkt. Als echter Hebel für die Wertschöpfung ist die Weiterbildung Teil eines Personalmanagements, das auf die Unternehmensstrategie abgestimmt ist. Einerseits verstehen und übernehmen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die durch den Kontext der Unsicherheit und der ständigen Neuerfindung von Arbeit und Beschäftigung dazu angeregt werden, einen Karriereweg zu gestalten, der ihren persönlichen Zielen entspricht, die Verantwortung für ihre eigene Verwirklichung. Sie werden zu Akteuren ihrer eigenen Entwicklung und versuchen, ihr Lernen entsprechend der Ausrichtung, die sie ihrer Laufbahn geben möchten, individuell zu gestalten. Auf der anderen Seite sind Unternehmen mehr denn je darauf angewiesen, auf die Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden setzen zu können, um Wert zu schaffen.
Laut der Schweizer Ausgabe 2020[1] der CEO-Umfrage von PWC äußern sich 69 % der Führungskräfte besorgt über den Fachkräftemangel. Was speziell den Finanzplatz der Romandie und dessen Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften betrifft, unterstreicht die Konjunkturumfrage 2023-2024[2] der Fondation Genève Place Financière die entscheidende Bedeutung des Zugangs zu qualifizierten Fachkräften. Dies zeigt, wie strategisch wichtig die Weiterbildung sowohl für Einzelpersonen als auch für Organisationen ist. Dies bestätigt die jüngste Veröffentlichung des Bundesamtes für Statistik[3] vom 23. Januar dieses Jahres: 49 % der Erwerbstätigen im Alter von 25 bis 64 Jahren in der Schweiz haben im Jahr 2021 an einer Weiterbildung teilgenommen. In 93 % der Fälle wurden sie dabei von ihrem Arbeitgeber unterstützt, sei es in Form von freigestellter Arbeitszeit oder finanzieller Förderung.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, was wir über die Gründe wissen, die so viele Fachkräfte dazu bewegen, sich für verschiedene Weiterbildungsgänge zu entscheiden. Was wissen wir jenseits der gängigen Klischees, die in Diskussionen über Weiterbildung und statistischen Daten vermittelt werden, wirklich über diese Frauen und Männer und welche Erfahrungen sie als Lernende machen?
Das ISFB ist sich mehr denn je der Herausforderungen der individuellen und organisatorischen Entwicklung bewusst, wie beispielsweise die kürzlich geschlossene Partnerschaft mit der Haute Ecole de Gestion de Genève (HEG-Genève) zeigt, um ein Kompetenzzentrum im Bereich der bankfachlichen Weiterbildung anzubieten. Das ISFB begleitet regelmäßig zahlreiche Mitarbeitende bei der Entwicklung ihrer Kompetenzen und ihrer Karriere. Um zu versuchen, die motivierenden Faktoren dieser einzigartigen Laufbahnen zu entschlüsseln, hat das ISFB zu Beginn des Jahres 2024 beschlossen, an einem Doktorandenprojekt teilzunehmen, das vom Team «Apprentissage et Compétences au Travail, en Formation et dans les Organisations» (ACT’FOR) der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Universität Genf entwickelt wurde.
Diese Studie untersucht das Profil und die Lernerfahrungen von Erwachsenen, die im Kanton Genf an Weiterbildungen teilnehmen. Genauer gesagt sollen die Motivationen (Bedürfnisse, Ziele, Gründe für die Teilnahme an einer Weiterbildung) sowie die Emotionen von Erwachsenen, die an Weiterbildungen teilnehmen, untersucht werden.
Durch die Einbindung der Teilnehmenden seiner Weiterbildungen leistet das ISFB einen aktiven Beitrag zur Wissensgenerierung im Bereich der Weiterbildung und stärkt die praktische, theoretische und methodische Verankerung seiner Massnahmen und Dienstleistungen. Bei der Veröffentlichung der Ergebnisse durch die Universität Genf wird das ISFB über eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse verfügen, die seinen Mitgliedern im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt wird. Dies ist eine weitere Gelegenheit, seine Aufgabe der Begleitung und Beratung der Akteure und Akteurinnen aus dem Bank- und Finanzwesen in der Westschweiz wahrzunehmen.
[1] https://www.pwc.ch/fr/insights/ceo-survey-2020.html
[2] https://www.geneve-finance.ch/fr-ch/news/2023-10-12-enquete-conjoncturelle-2023-2024
[3] https://www.bfs.admin.ch/news/fr/2024-0176
Strategischer Tätigkeitsbereich 3
Karriereentwicklung
Neben seinem Angebot an technischen und managementbezogenen Schulungen bietet das ISFB der Personalabteilung seiner Mitgliedsbanken verschiedene Beratungsdienste zur beruflichen Orientierung und Karriereplanung an.