Karriereentwicklung
Nützliche Kompetenzen für die Karriereentwicklung im Bank- und Finanzwesen
15. Mai 2025
Der Banken- und Finanzsektor in der Westschweiz, insbesondere in Genf, ist ein wichtiger Pfeiler der regionalen Wirtschaft. Laut dem von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) veröffentlichten Bankenbarometer 2025 ist die Zahl der Beschäftigten im Bankensektor weiter gestiegen. Für 2025 prognostiziert das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) eine leichte Erholung des Wirtschaftswachstums auf 1,3 %, getragen von einer soliden Binnennachfrage und dem jüngsten Rückgang des Schweizer Frankens – allerdings sind diese Prognosen angesichts der aktuellen Lage mit grosser Unsicherheit behaftet.
In diesem Zusammenhang identifiziert und fördert das Institut Supérieur de Formation Bancaire (ISFB) als Kompetenz- und Karrierezentrum für Banken und Finanzinstitute in der Westschweiz die Schlüsselkompetenzen, die für den Erfolg in diesem Bereich erforderlich sind.
Angesichts dieser Dynamik ist es für Fachleute der Branche – egal, ob sie am Anfang ihrer Karriere stehen oder sich in einer Umorientierungsphase befinden – von entscheidender Bedeutung zu verstehen, welche konkreten Kompetenzen ihre Beschäftigungsfähigkeit stärken und eine nachhaltige Weiterentwicklung unterstützen. Vor diesem Hintergrund bietet das ISFB eine strukturierte Übersicht über die derzeit gefragtesten Kompetenzen im Bankensektor, die die Erwartungen des Marktes, die laufenden Veränderungen und die spezifischen Anforderungen der Schlüsselfunktionen in diesem Bereich widerspiegelt.
KI erhöht den Bedarf an hybriden Kompetenzen, die technologisches Verständnis, kritische Analysefähigkeit, Risikomanagement und emotionale Intelligenz vereinen – allesamt Fähigkeiten, die je nach Generation ungleich verteilt sind.
Technische und analytische Fähigkeiten
Die Beherrschung von Finanzprodukten, Vorschriften und Analyseinstrumenten ist von grundlegender Bedeutung. So ist beispielsweise das Verständnis der Mechanismen von Hypothekarkrediten, Anlageprodukten oder Derivaten unerlässlich, um Kunden effektiv beraten zu können. Darüber hinaus ermöglicht die Fähigkeit, komplexe Finanzdaten zu interpretieren, die Bewertung von Risiken und Anlagechancen. Diese Kompetenzen bilden eine grundlegende Basis, reichen jedoch allein nicht aus. Diese Kompetenzen werden in der Grundausbildung (EFZ Kaufmann/Kauffrau, Option Bankwesen; Bachelor HEG-GE Betriebswirtschaft, Option Bank- und Finanzwesen; Bachelor/Master in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an verschiedenen Universitäten (insbesondere in der Romandie UNIGE; UNIL; UNIFR; UNINE) vermittelt. Die Spezialisierungen werden dann von denselben Akteuren im Rahmen von Langzeitprogrammen vom Typ CAS/DAS/MAS oder in Kurzausbildungen entwickelt, die das ISFB als speziell auf die Branche ausgerichteter Berufsverband verschiedenen Experten anbietet (z. B. ISFB-Zertifikat Kredite, ISFB-Zertifikat Private Banking Advanced SAQ, ISFB-Zertifikat Compliance Officer usw.).
Interaktionelle Kompetenzen
Fachleute müssen sich durch hervorragende Kommunikations-, Verhandlungs- und Beratungsfähigkeiten auszeichnen ... und durch Zuhören! Bei einem Kundengespräch ist es beispielsweise entscheidend, die Bedürfnisse des Kunden zu verstehen, ihm die verfügbaren Optionen klar zu erklären und passende Lösungen vorzuschlagen. Diese Kompetenzen fördern den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen und die Kundenbindung. Diese Kompetenzen entwickeln wir beispielsweise in unseren internen Seminaren für unsere Mitgliedsinstitute, aber auch in bankübergreifenden Präsenzformaten innerhalb des Instituts, beispielsweise im Rahmen des SAQ-Seminars zur Rezertifizierung im Bereich Geschäftsentwicklung.
Strategische Kompetenzen
Die Fähigkeit, Marktentwicklungen zu antizipieren und geeignete Strategien zu entwickeln, ist von entscheidender Bedeutung. Ein Portfoliomanager muss beispielsweise in der Lage sein, die Vermögensallokation entsprechend den wirtschaftlichen Trends und den Zielen des Kunden anzupassen. Diese strategische Vision ermöglicht es, die Renditen zu maximieren und gleichzeitig die Risiken zu minimieren. Dazu gehört auch die Fähigkeit, die Herausforderungen der Zukunft zu verstehen. Wir entwickeln strategische Kompetenzen insbesondere in unserem ISFB-Zertifikat „Interne Kontrolle und Risikomanagement”, in dem mehrere C-Level-Führungskräfte aus unserem Ökosystem als Ausbilder tätig sind, oder auch im ISFB-Zertifikat „Stab und Support”, das sich an Stabsfachleute von Finanzinstituten richtet, oder im ISFB-Zertifikat „Investment Advisor”, das sich an Front-Fachleute richtet.
Anpassungsfähigkeit
In einem sich ständig verändernden Umfeld ist Anpassungsfähigkeit eine unverzichtbare Eigenschaft. Fachleute müssen bereit sein, sich mit neuen Vorschriften vertraut zu machen, neue Technologien anzunehmen und sich an organisatorische Veränderungen anzupassen. Beispielsweise erfordert die Integration künstlicher Intelligenz in Bankprozesse Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft zum kontinuierlichen Lernen. Das ISFB bietet zu diesem Thema verschiedene Formate an: Weiterbildungen im Rahmen des ISFB-Zertifikats „Bankmanagement und Anpassungsfähigkeit”, bei denen unsere Teilnehmer ihre kognitive Flexibilität mit zahlreichen Referenten aus verschiedenen Disziplinen außerhalb der ausgetretenen Pfade trainieren, aber auch Gruppenformatein Form von internen Seminaren oder individuelle Formate in Form von Coaching.
Bewusstseinsfähigkeiten
Zeitmanagement, Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein sind unerlässlich, um optimale Leistungen zu erzielen. Die Einhaltung der gesetzlichen Fristen für die Einreichung von Finanzberichten zeugt beispielsweise von Professionalität und Sorgfalt, die in dieser Branche unerlässlich sind. Hier kommt es darauf an, methodisch vorzugehen. Erfolg ist sehr oft das Ergebnis einer guten Portion Methodik und Systematik. Diese Eigenschaften erwirbt man insbesondere durch Vorbilder, den Umgang mit inspirierenden Menschen, durch Lesen, aber auch durch Willenskraft und Selbstdisziplin.
Konzentrationsfähigkeit
Die Fähigkeit, sich auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren, ohne sich ablenken zu lassen, ist von entscheidender Bedeutung. Bei der Analyse eines komplexen Dossiers ist beispielsweise eine anhaltende Aufmerksamkeit erforderlich, um die kritischen Elemente zu identifizieren und die rechtlichen, finanziellen oder interaktiven Auswirkungen zu bewerten. Diese Konzentrationsfähigkeit kann durch die übermäßige Nutzung verschiedener sozialer Ablenkungen (soziale Netzwerke, E-Mail usw.) verloren gehen. Auch hier ist es daher sinnvoll, Disziplin zu üben. Diese Fähigkeit kann durch Training erworben werden, insbesondere im Rahmen von Weiterbildungsprogrammen.
Emotionale Kompetenzen
Emotionale Stabilität, Belastbarkeit und Stressbewältigung sind wichtige Stärken. In einer unsicheren Situation muss ein Fachmann beispielsweise ruhig bleiben, fundierte Entscheidungen treffen und seine Kunden mit Empathie unterstützen. Diese Eigenschaften fördern einen effektiven Umgang mit schwierigen Situationen. Wir messen diese Faktoren beispielsweise bei den Assessments, die wir im Auftrag unserer Mitglieder durchführen, und tragen auch dazu bei, diese emotionalen Schlüsselkompetenzen in internen Seminaren unserer Mitgliedsorganisationen zu fördern.
Sprach- und Computerkenntnisse
Für die Interaktion mit einer internationalen Kundschaft sind häufig Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere Englisch, erforderlich. Darüber hinaus sind Kenntnisse im Umgang mit IT-Tools wie Portfoliomanagement-Software, Handelsplattformen oder einfach nur Excel unerlässlich, um eine effiziente und moderne Dienstleistungserbringung zu gewährleisten. Im Bereich der Entwicklung technologischer Kompetenzen bieten wir zwei hochmoderne Programme an: das ISFB-Zertifikat „Future of Finance”, das darauf abzielt, die Welt von heute und morgen aus technologischer Sicht besser zu verstehen, und das ISFB-Zertifikat „Data Management”, das eine Ausbildung im Bereich Datenmanagement im regulatorischen Rahmen des Finanzwesens in der Schweiz ohne vorherige IT-Ausbildung ermöglicht.
Der Banken- und Finanzsektor in der Westschweiz bietet zahlreiche Möglichkeiten, nicht nur für Hochschulabsolventen, sondern auch für Fachleute mit einer Berufsausbildung (EFZ mit Schwerpunkt Bankwesen, anschließend Hochschule). Die Entwicklung dieser vom ISFB definierten Schlüsselkompetenzen ist für den Erfolg und die Weiterentwicklung in diesem dynamischen Bereich von entscheidender Bedeutung. Darauf machen wir unsere Gesprächspartner aufmerksam, seien es Personalverantwortliche, die für die Förderung der Kompetenzen der Mitarbeitenden ihres Unternehmens zuständig sind, Teilnehmer an unseren Weiterbildungs- oder Zertifizierungsmassnahmen, aber auch im Rahmen von Assessments, Coachings Mentoring oder auch bei den Kompetenzbilanzen, die wir für die Mitarbeiter unserer Mitglieder und für das kantonale Arbeitsamt durchführen.
Mathias Baitan
Generaldirektor
„Der Banken- und Finanzsektor in der Westschweiz bietet zahlreiche Möglichkeiten, nicht nur für Hochschulabsolventen, sondern auch für Fachkräfte mit einer Berufsausbildung (EFZ mit Schwerpunkt Bankwesen, anschließend Hochschule).Die Entwicklung dieser vom ISFB definierten Schlüsselkompetenzen ist für den Erfolg und die Weiterentwicklung in diesem dynamischen Bereich von entscheidender Bedeutung.“
Dienstleistungen für Mitglieder im Zusammenhang mit den in diesem Interview behandelten Themen