Die Berufe im Bankwesen verändern sich, und die Anforderungen an die Qualifikationen steigen: Das ISFB-Observatorium hat seinen Mitgliedern die ersten Ergebnisse vorgestellt

31. August 2026

Das ISFB-Observatorium für Bank- und Finanzkompetenzen hat am Mittwoch, dem 26. August, seinen Mitgliedern die ersten Ergebnisse vorgestellt. Sein erstes Heft umfasst acht Beiträge, darunter drei gemeinsam mit der Universität Genf durchgeführte Forschungsarbeiten sowie eine Umfrage unter 230 Mitarbeitern verschiedener Westschweizer Banken. Die gemeinsame Erkenntnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Künstliche Intelligenz verändert den Inhalt der Bankfunktionen eher, als dass sie diese überflüssig macht, und das erwartete Kompetenzniveau steigt.

Eher eine qualitative Neuausrichtung als ein Rückgang

Die Arbeiten von Dr. Erwan Bellard und Prof. Nathalie Delobbe (Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften, UNIGE) zeichnen ein Bild der Lage des Sektors bis zum Jahr 2035 – nicht aus wirtschaftlicher Perspektive, sondern unter dem Gesichtspunkt der Kompetenzentwicklung. „Die Beschäftigtenzahlen bleiben insgesamt stabil, doch hinter dieser Stabilität verbergen sich eine zunehmende Spezialisierung und Umverteilung der Arbeitsplätze sowie höhere Qualifikationsanforderungen“ , stellt Nathalie Delobbe fest. Die beiden Forscher identifizieren vier Entwicklungsfaktoren, die miteinander interagieren: Technologie, Nachhaltigkeit, Regulierung und Kundenerwartungen. „Die KI steht im Mittelpunkt der Erwartungen, doch die verfügbaren Daten deuten eher auf einen schrittweisen Wandel der Berufe als auf einen Bruch hin. Der Mehrwert wird in der Fähigkeit liegen, menschliche Kompetenzen und Technologien miteinander zu verknüpfen, sowie in der Kombination von drei Kompetenzen: Finanzkompetenz, digitale Kompetenz und Nachhaltigkeitskompetenz“, erklärt Erwan Bellard.

Was die Mitarbeiter sagen

Die von Christelle Zagato, Fachreferentin für Forschung und Umfragen beim ISFB-Observatorium und Doktorandin an der Universität Freiburg, durchgeführte Umfrage lässt die direkt Betroffenen zu Wort kommen. 99 % der 230 Befragten rechnen bis 2030–2035 mit einem Wandel ihrer beruflichen Rolle; 94 % sind der Ansicht, dass sie ihre Kompetenzen ausbauen müssen, um ihre Aufgaben weiterhin erfolgreich wahrnehmen zu können. Was die Ursache des Wandels betrifft: „Für sich genommen ist KI der am häufigsten genannte Faktor. Betrachtet man jedoch das Gesamtbild, so sind es die sich wandelnden Kundenerwartungen – insbesondere Schnelligkeit, Einfachheit und Personalisierung –, die die Mitarbeiter als Motor des Wandels bezeichnen “, stellt Christelle Zagato fest. Der zweite Teil der Umfrage zeigt insbesondere, dass mangelnde Lernbereitschaft niemals als Hindernis für die Weiterbildung genannt wird; Zeitmangel steht an erster Stelle.

Urteilsvermögen schulen, nicht nur das Werkzeug einsetzen

Der Psychologe Stéphane Bonzon vom ISFB hat eine Reihe aktueller Forschungsarbeiten zur generativen KI am Arbeitsplatz ausgewertet. „Bei standardisierten Aufgaben steigert die KI die Geschwindigkeit und Qualität der Arbeit und verringert den Abstand zwischen den leistungsschwächsten und den leistungsstärksten Mitarbeitern. Sobald die Aufgabe jedoch ein kritisches Urteilsvermögen hinsichtlich heterogener oder widersprüchlicher Informationen erfordert, wird sie zu einem Störfaktor. Ihre fehlerhaften Antworten weisen nämlich eine scheinbare Kohärenz auf, die übermäßiges Selbstvertrauen schürt und den Blick darauf verstellt, dass man die Grenzen der eigenen Fähigkeiten überschritten hat “, fasst er zusammen. Er plädiert für eine kontrollierte Integration, die auf menschlicher Aufsicht und der Stärkung des beruflichen Urteilsvermögens basiert.

Eine einheitliche Auslegung der Zuständigkeiten

„Die von uns dokumentierten Entwicklungen vollziehen sich schrittweise. Ein Berufsbild kann seine Bezeichnung beibehalten, während sich sein Inhalt verändert. Das ISFB-Observatorium beobachtet, bringt unterschiedliche Sichtweisen zusammen und formuliert Hypothesen, die in der Praxis bestätigt oder korrigiert werden. Die Berufsbilder werden sich schrittweise weiterentwickeln, doch ein Trend ist bereits deutlich erkennbar: Das erwartete Kompetenzniveau steigt in fast allen Bankfunktionen“, erklärt Mathias Baitan, Generaldirektor des ISFB.

Zusammenfassung in wenigen Punkten:

  • Das Heft Nr. 1 des ISFB-Observatoriums umfasst acht Beiträge, darunter drei gemeinsam mit der Universität Genf (FPSE) durchgeführte Forschungsarbeiten sowie eine Umfrage unter 230 Mitarbeitern von Banken in der Westschweiz.
  • KI verändert den Inhalt der Tätigkeiten im Bankwesen eher, als dass sie diese überflüssig macht: Die Arbeitsplätze werden spezialisierter, und die Anforderungen an die Qualifikation steigen.
  • Vier Faktoren beeinflussen die Entwicklung der Berufe: Technologie, Nachhaltigkeit, gesetzliche Vorschriften und sich wandelnde Kundenerwartungen.
  • Die sich wandelnden Kundenerwartungen sind insgesamt gesehen der wichtigste Motor für Veränderungen; für sich genommen wird jedoch die KI am häufigsten als Faktor genannt.
  • Die Mitarbeiter sind sich dieser Entwicklungen voll und ganz bewusst: 99 % der befragten Mitarbeiter rechnen bis 2030–2035 mit einer Veränderung ihrer Funktion, und 94 % sind der Meinung, dass sie ihre Kompetenzen ausbauen müssen.
  • Als Haupthemmnis für die Weiterbildung wird meist Zeitmangel genannt
  • KI verbessert die Leistung bei standardisierten Aufgaben, kann jedoch kontraproduktiv werden, wenn die Arbeit kritisches Urteilsvermögen, Überprüfung und Unterscheidungsvermögen erfordert.
  • Im Vordergrund steht daher sowohl die Entwicklung des fachlichen Urteilsvermögens als auch die Beherrschung der Grundlagen der Finanzwelt und der digitalen Werkzeuge (finanzielle und technische Kompetenz).
  • Kernaussage des Observatoriums: Die Berufe werden sich schrittweise weiterentwickeln, doch ein Trend zeichnet sich bereits deutlich ab: Das erwartete Kompetenzniveau steigt in fast allen Bankfunktionen.

Über das ISFB-Observatorium für Bank- und Finanzkompetenzen

Das Observatoire wurde im November 2025 innerhalb der ISFB, einem 1987 gegründeten gemeinnützigen Berufsverband, ins Leben gerufen. Es wird von acht Banken des Genfer Finanzplatzes (BCGE, Bordier, EFG Bank, Indosuez Wealth Management in der Schweiz, Lombard Odier, Mirabaud, Pictet, UBP) finanziert und stützt sich auf eine Forschungspartnerschaft mit der Universität Genf. Es äußert sich weder zu den strategischen Ausrichtungen der Branche noch zu den Entscheidungen einzelner Institute: Es befasst sich mit den Berufsfeldern, den Kompetenzen, den Ausbildungsbedürfnissen und den beruflichen Laufbahnen. Das Heft Nr. 1 wird im Laufe des Septembers unter www.isfb.ch/observatoire öffentlich zugänglich sein.

Über das ISFB

Das ISFB ist das Kompetenz- und Karrierezentrum für Banken und Finanzinstitute in der Westschweiz. Das Institut bietet spezifische Dienstleistungen für den Bank- und Finanzsektor im Bereich der Weiterbildung sowie Dienstleistungen im Bereich des Karrieremanagements (Assessment, Coaching, Berufsberatung, Outplacement, Personalbeschaffung). Das ISFB wurde 1987 als gemeinnütziger Berufsverband gegründet und vereint heute mehr als fünfzig Einrichtungen aus dem Bank- und Finanzsektor sowie Partner in der gesamten Westschweiz. Das ISFB betreibt zudem das „Observatoire des compétences bancaires et financières“, ein Instrument zur Beobachtung und Zukunftsplanung im Bereich der Kompetenzentwicklung für den Finanzplatz der Westschweiz.

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ISFB-Beobachtungsstelle für Bank- und Finanzkompetenzen

Heft 1 – August 2026

Die Berufe werden sich schrittweise weiterentwickeln, doch ein Trend zeichnet sich bereits deutlich ab: Das erwartete Kompetenzniveau steigt in fast allen Bankfunktionen.

Mathias Baitan, Geschäftsführer der ISFB

28.08.2026, 14:18:05 Uhr +02:00